Einträge von Walter Galka
Mo 26.11.1934, Entwurf einer Bewerbung mit Lebenslauf von Walter Galka: Nur unter den größten Anstrengungen war es meinen Eltern möglich, meinem Bruder und mir eine höhere Schulbildung angedeihen zu lassen
Es sind zwei Entwürfe dieser Bewerbung vorhanden, beide mit ausführlichen Redigierungen. Hier wird zuerst der ausführlichere Vorentwurf, dann der gestraffte spätere Entwurf wiedergegeben. In der Vorlage gestrichene Passagen sind mit geschweiften Klammern, kürzere Streichungen durch Durchstreichen kenntlich gemacht.
Der Vorentwurf:
Meine Eltern sind seit 1900 in Bochum ansässig. Ich selbst bin in Bochum zur Schule gegangen, bis ich als Unterprimaner wegen der Unruhen durch die Franzosen nach Berlin-Lichterfelde ging, wo ich Ostern 1924 die Reifeprüfung bestand. Anschließend studierte ich Math.[ematik], Naturw.[issenschaften] und Leibsü.[bungen] an den Universitäten Leipzig u. Halle, und bestand Ostern 1930. Das Staatsexamen des 1. Ref. legte ich am Realygmn. in Schwelm, das 2. am hiesigen Ref.[orm]r.[eal]g.[ymnasium] ab. Ostern 1932 best. ich das Assesorex.[amen] und bin seit dieser Zeit der letztgenannten Anstalt zur unentgeltlichen Besch.[äftigung] zugewiesen. Inzwischen hatte ich für 5 Monate eine volle Vertretung in Datteln und für 10 Monate eine stundenweise (5 1/2 W.[ochen]st[unden]) Beschäftigung am hiesigen Freiherr vom Stein-Oberlyceum. [Weiterlesen →]
26. November 2011 Noch keine Kommentare
Mi 27.12.1933, Brief von Walter an Anneliese: “das hat mir wirklich gut getan, mal wirklich mit mir und meinen Gedanken allein zu sein”
Bochum, den 27.12.33.
Mein liebes Baby!
Zunächst danke ich Euch allen ganz besonders herzlich für die wunderschöne Schreibtischgarnitur, die mir das ganze Leben lang Freude machen wird, denn einen großen Teil meines Lebens werde ich wohl am Schreibtisch verbringen, und da wird mir dieses Schmuckstück eine schöne Erinnerung an unsere teils gemeinsam, zum größeren Teil getrennt verlebte Jugendzeit sein. Die großen Augen von Deinem Jungen am Heiligabend kannst Du Dir garnicht vorstellen, ich war einfach platt. Ich hab mich gefragt, ob ich wirklich so artig gewesen bin, daß mir solche Überraschung und Freude zuteil wurden.
27. Dezember 2010 Noch keine Kommentare
So 24.12.1933, Brief von Walter an Anneliese: “Bei solchen Aufträgen muß man mit Nieten rechnen.”
Bochum, den 24.12.33.
Meine liebe Anneliesebraut!
Heute morgen erhielt ich Deinen lieben Brief mit der wunderschönen Postkarte, und eben (1/2 4 Uhr) ist Euer Paket angekommen. Ich danke Euch für beides recht herzlich. Was in dem Paket wohl enthalten sein mag? Es ist alles heil angekommen, mehr weiß ich nicht. Die ganze Familie hält mich sehr in Spannung, und das ist schön so, rechte Weihnachtsfreude. Bisher habe ich noch tüchtig gearbeitet, aber jetzt ist alles so weit fertig, und da soll mein liebes gutes Kind noch einige Zeilen von ihrem Jungen haben. Gestern um diese Zeit verzapfte ich meiner Oberprimanerin gerade eine Mathematikstunde, am 2. Feiertag muß ich die nächste vorbereiten.
24. Dezember 2010 Noch keine Kommentare
Mi 20.12.1933, Brief von Walter an Anneliese: “Die Gemütlichkeit vermißte man in den Baracken”
Bochum, den 20.12.33.
Mein liebes Kind!
Die Zeit in Wahner-Heide ist nun vorüber, ich habe mich bereits völlig in Bochum eingewöhnt. Freitag gibt’s Ferien, und dann kommt die schöne Weihnachtsstimmung mit all ihren kindlichen Erinnerungen und der Besinnung auf sich selbst. 3 Wochen war ich Instrument fremden Willens und freue mich, daß ich wieder daheim bin. Zum 100%igen Soldaten bin ich doch wohl nicht geboren. Wir hatten ziemlich starken Frost und waren täglich 6 bis 7 Stunden im Gelände, 2 Stunden Unterricht, die restliche Zeit wurde mit Putzen und Flicken verbraucht.
20. Dezember 2010 Noch keine Kommentare
Di 12.12.1933, Postkarte von Walter an Anneliese: “Heute nachmittag steigt der 25 km Gepäckmarsch”
Poststempel: Wahn, 12.12.33. 9-10 V
Wahner Heide, d. 12.12.33.
Mein liebes Kind!
Über Euer schönes, inhaltsreiches Paket habe ich mich sehr gefreut und danke Euch recht herzlich dafür. Heute früh hatte ich Wache und anschließend Prüfungsschießen. Ich habe beide Bedingungen erfüllt. Heute nachmittag steigt der 25 km Gepäckmarsch. Gesundheitlich geht es mir gut und hoffe von Euch dasselbe. Mit den herzlichsten Grüßen an Dich und die lieben Eltern bin [ich]
Dein Walter.
Samstag mittag verlasse ich Wahn und hoffe, vorher noch einmal von Dir zu hören.
12. Dezember 2010 Noch keine Kommentare
So 10.12.1933, Brief von Walter an Anneliese: “Im Schießen habe ich bisher ganz gut abgeschnitten”
Wahner Heide, den 10.12.33.
Mein liebes Kind!
Für Deinen lieben Brief danke ich Dir herzlichst. Es tut mir sehr leid, daß Hans in dieser peinlichen Situation steckt. Hoffentlich hat sich inzwischen schon alles zum Guten gewendet. Du wirst mir ja so bald wie möglich darüber Nachricht geben. – Bei Euch wird wohl schon etwas häuslichere Stimmung eingezogen sein. Wenn Du die Wohnung eingerichtet hast, dann steht alles am rechten Platz. Hoffentlich habe ich im April Gelegenheit, Deine Kunst gebührend zu bewundern. –
10. Dezember 2010 Noch keine Kommentare