Do 29.09.1938, Brief von Walter an Anneliese: “Hoffen wir, daß die heutigen Verhandlungen in München den ersehnten Erfolg zeitigen“

eingestellt von am 29. September 2015 |

Iserlohn, den 29.9.38.

Meine ganz liebe Anneliese!

Für deine beiden Briefe danke ich dir recht herzlich. Gestern habe ich bis 1 Uhr nachts an den Charakteristiken gesessen und haben nun alle Prädikate eingetragen und die Charakteristiken den Klassenleitern übergeben. Heute morgen habe ich von der Stadt Unna die Aufforderung erhalten, mein Zeugnis über die wissenschaftliche Prüfung vorzulegen. Ich bin nun nach Iserlohn gefahren, um es zu holen.

Über die Dauer der Konferenz am Freitag kann ich leider keine Aussage machen. ich hoffe aber, um 2011 Uhr mit dem Autobus fahren zu können. Ich komme auf jeden Fall nach Iserlohn, wenn auch spät. Ich wäre dir dankbar, wenn du dich richtig ausschlafen würdest, damit ich auf keinen Fall am Samstag verschlafe. Ich vermute, da man mir am 1. Okt. bei Übergabe der Urkunde, wahrscheinlich schon morgen, die Wohnung anbieten wird. Im Kollegium erzählt man sich bereits, daß ich die Wohnung gemietet habe. Kobieder hat nach der Inquisition noch nichts wieder gesagt. Aber gestern besuchte er mich im Unterricht – Klasse 8. Es hat gut geklappt.

Der Radioapparat ist wieder in Ordnung. Ich habe lediglich eine neue Sicherung eingeschraubt. Die am Ofen hängenden Strümpfe habe ich an den Fußspitzen gewässert.

Fräulein Schreiber war hier und hat gelbe Blumen mitgebracht. Sie läßt dich grüßen.

Die Zahlungsaufforderung der Lebensversicherung ist gekommen. – Hilde hat geschrieben – eine Karte. Sie dankt für die Vase.

Nun meine ganz liebe Anneliese, wünsche ich dir noch frohe Stunden im Elternhaus, eine gute Reise und gute Ankunft in Iserlohn.

Ich freue mich schon sehr auf unser Wiedersehn und bin mit vielen herzlichen Grüßen und vielen Küßchen
Dein Walter, der seine Anneliese auch ganz viel lieb hat.

Viele liebe und herzliche Grüße an Mutti und Vater.

Hoffen wir, daß die heutigen Verhandlungen in München den ersehnten Erfolg zeitigen.

Die Butter roch unangenehm. Ich habe sie in ein Buttergefäß gebracht und mit Wasser u. Salz versetzt. Gemahlener Kaffee ist nicht mehr da, aber Bohnen.

veröffentlicht am 29. September 2015 um 18.01 Uhr
in Kategorie: Walter Galka

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