Do 03.02.1938, Brief von Annelieses Eltern an Walter: “ Ich verspreche mir von einem kurzen Aufenthalt in Ostpreußen nicht viel“

eingestellt von am 7. Februar 2015 |

30 Anlagen.
Bln-Charlottenburg 5, den 3. Februar 1938.
Rönne Str 10 II r

Lieber Walter,
den 1. Tag meines unfreiwilligen Heimaturlaubs – ich habe mir ein etwas schmerzhaftes, hoffentlich vorübergehendes Fußleiden zugezogen, muß viel liegen und den linken Fuß hochlegen, bin auf 10-14 Tage dienstunfähig – will ich gleich benutzen, um die für den Ahnenpaß notwendigen Urkunden rauszugeben und dir zu übersenden. Das Verzeichnis ist vollständig bis 1800. Sterbeurkunden liegen allerdings nicht vor – die mußt du wohl bei Hans anfragen, sofern sie wirklich notwendig sein sollten.

Der Urgroßvater Johann Heinrich Ludwig Heidemann ist zwar da (getraut am 7.5.1807 mit Sophie Marie Christine Mayer), aber sein Geburtstage ist nicht festzustellen. Hoffentlich genügt die vorhandene Traubescheinigung; sonst habe ich weiteres nicht mehr feststellen können.

Nach Gebrauch erbitte ich die Anlagen zurück.

Euch beiden herzliche Grüße
Vater Paul.

L. W.,
Du schreibst da, daß du mit deiner Ahnenforschung nicht weiterkommst und deshalb die Osterferien benutzen willst, um für etwa 8 Tage nach Ostpreußen zu fahren und dort an Ort u. Stelle dein Glück zu versuchen. Das ist recht schade u. m. E. auch bedenklich. Nach meinen Erfahrungen, viele meiner Beamten stammten aus Ost- und Westpreußen, ist diese Reise in den abgetretenen und den vom Kriege heimgesuchten Gebieten, recht schwierig und langwierig. Teils sind die Kirchenbücher usw. verbrannt oder verschleppt, teils sind die Ortsa[unleserlich]enden verschleppt oder verzogen, jedenfalls haben diese Leutchen recht viel Zeit und Arbeit aufwenden müssen und sind z. Z. doch nicht voran gekommen. Ich verspreche mir von einem kurzen Aufenthalt in Ostpreußen nicht viel. Willst du es nicht zunächst mein einem Sippen- u. Ahnenforscher versuchen? Die Anschriften sind wohl am besten bei der Stadt oder der Partei zu erfahren; die Kosten werden erschwinglich sein. Bringt dieser Weg keinen Erfolg, bleibt als Abschluß immer noch die Selbstforschung an Ort u. Stelle übrig.

Vielleicht überlegst du dir den Vorschlag; im übrigen guten Erfolg!

Nochmals herzl. Glückwunsch.
Vater.

In anderer Handschrift:
Und weil der Bogen doch nicht leer bleiben kann, grüße auch ich herzlich. Vaters Erkältung geht nun mit vorüber. Wir müssen täglich 3x 20 Min. im Moor usw. Lauge den Fuß baden und danach einreiben. Da der Blutdruck hoch ist, gibt es auch was zum einnehmen. Am Montag soll Vater selbst zum Arzt kommen. Seit Mittwoch liegt Vater. – Heute haben wir Festtag. Mein Mann bestand sein Examen und ich in der gleichen Zeit meine 1. Operation. Nun gibt es ff. Kuchen zum Kaffee! Zu Hilde kann ich nun nicht, das ist zu weit, so lange kann ich nicht fort. Auch Onkel Willy hat auf seine Einladung eine Absage bekommen. Wir haben den Postvertrauensarzt, Dr. Hofmann, Kantstr., der hält Vater für 54 Jahre alt! Wir denken, die Entzündung geht schnell vorüber. Hier ist es eklich feucht warm. Eine Ledertasche habe ich nicht bekommen, darin war keine Inventur. Einen schönen schwarzen Filzhut für 2,95 M, ganz prachtvoll, von Beigel, habe ich gekauft. Inges Bilder zu meinem Geburtstage sind zu süß! Habt Ihr auch die 3 Aufnahmen bekommen?

Frohe Feier und alles Gute, lieber Walter!

Herzlichst Mutti

veröffentlicht am 7. Februar 2015 um 12.31 Uhr
in Kategorie: Lolly Merten, Paul Merten

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