Sa 01.04.1933, Brief von Anneliese an ihre Eltern: “ich kann jetzt meine Finanzlage noch nicht übersehen”
eingestellt von SG am 1. April 2010 |
Poststempel: “Chandler’s Ford Southampton, 8.45 PM 1 AP 33″
“Burleigh”, Hursley Road, Chandler’s Ford, Southampton
1. April 1933.
Ihr Lieben,
recht herzl. Dank für die Postkarte und ganz besonders schönen Dank für das Geld, das ich gestern abgeholt habe und das mir für London zu gute kommen wird. Och, ich freue mich ja so. Eben habe ich schon meine Sachen zusammen gepackt und morgen bringt mich Mr. Cox zum Zuge und um 1222 treffe ich Walter. Soll das schön werden. Und dann 4 schöne Wochen und dann geht’s heim; vielleicht schon ein paar Tage eher, falls Walter die Stelle in Bad Essen bekommen sollte. Er schrieb mir gerade, er habe Nachricht bekommen, daß die Bewerbung nicht aussichtlos sei.
Leider habe ich eine unangenehme [Er]kältung und niese über’s ganze Haus. Es geht aber schon besser, nachdem ich gestern früh zu Bett gegangen bin. Ich denke sogar, morgen wird’s wieder ganz in Ordnung sein.
Leni soll Freitag nachm. kommen. W. u. ich werden sie abholen. An Betty schreibe ich jetzt. Emmi schrieb mir sehr lieb, sie freue sich sooo auf mein Wiederkommen. Heute morgen hat mir Hans mit einem schnell beantworteten Brief viel Freude gemacht. Was ist denn nun eigentlich mit Jutta los? Die Eltern sollten doch ganz froh sein, die haben doch genug gejammert, daß Jutta keinen abkriegen würde.
Geschenk für Ena wird gekauft. Mit dem Mantel will ich mal sehen, ich kann jetzt meine Finanzlage noch nicht übersehen. Ich habe nun schöne Dauerwellen, habe mir den Rock gekauft und musste auch Hosen, Hemden, Mieder und Strümpfe haben. Nun muss ich mal sehen, wir werden ja nicht zu viel Geld ausgeben, aber ich kann’s noch nicht übersehen. Nun will ich mit Christopher zum Briefkasten. Ob sich wohl jemand in Schwelm auf uns freut?
In Eile viel liebe Grüße Eure Anneliese.
Jetzt schwimmen die beiden auf der See, ob sie wohl seekrank sind?
veröffentlicht am 1. April 2010 um 15.00 Uhr
in Kategorie: Anneliese Merten