Geschichte (nicht nur) einer Familie
77jahre

Sa 18.02.1933, Brief von Anneliese an ihre Eltern: “Hier hört man viel über Deutschland”

Poststempel: Southampton, 20 Feb 33

“Burleigh”, 18. II. 1933.

Recht schönen Dank Euch beiden, für die beiden lieben Briefe. Also meinen Jungen habt Ihr am Sonntag dort gehabt, ätsch bald habe ich ihn man für 3 lange Wochen! Mit der Gartenarbeit wird es schon nicht schlimm werden, die letzte Woche gehört uns ja überhaupt und für die anderen 10 Tage sind schon 2 Autofahrten geplant und als ich Ena erzählte, daß Walter sehr herunter wäre hat sie gleich gesagt, er solle sich hier gut erholen und die erste Woche garnichts tun und sich ruhen. Ich freue mich ganz doll auf die Zeit und auch auf zu Hause, aber noch immer bin ich gern hier. Ena geht es wieder besser.

Warum werden Flieths denn geschieden, diese Neuigkeit interessiert mich doch sehr. Also Frau Mucki – und somit Schwelm – weiß nun, daß mein Märchenprinz mich aus der Verbannung heimholen will. Oh, muss das interessant sein.

Emmy hat mir geschrieben und um einen Brief gebeten, den soll sie haben, wenn ich auch verflixt wenig Zeit habe.

Gestern bin ich schon um ½ 1h nach Southampton gefahren, bin im Kino gewesen und dann mit Mr. Cox zurückgekommen. Heute sind Ena und er aus. Christopher lässt grüßen, er will gern mit mir nach Deutschland. Hier hört man viel über Deutschland jetzt in Vorträgen, Büchern, Zeitung usw. Für die Zeitungen und Wochenschau herzl. Dank. Schickt bitte bald wieder. Die Plätzchen schmeckten köstlich; denen hier haben sie zum Glück nicht gefallen.

Nee, Mutti, ich freu mich sogar auf deutsche Kost mit etwas englischer vermischt. Ich freue mich überhaupt so auf Euch. Ich bin verpflichtet, mindestens alle 3 Wochen an Ena zu schreiben. – Fein, daß Ihr Euch mit dem Walter so gut versteht. Von Betty habe ich schon über 5 Wochen nichts gehört, 2 mal habe ich geschrieben, nun mag sie antworten. Ich denke, daß sie – wie fast jeder hier – Grippe hat.

Ich habe nicht die Absicht, hier noch krank zu werden. Gerti möchte gern in 1934 für ihre 3 Wochen Ferien zu Cox kommen, das wird wohl kaum gehen, denn ohne Haustochter kann Ena ja garnicht sein.

Bringt der Leni das mit dem “Alleinesein in London” nur bei, das finde ich auch u. Leni versteht. Sie hat mir gerade einen recht netten engl. Brief geschrieben! – Maria tut mir leid! – Hausputz gibt’s hier nicht, den haben wir ja auch andauernd. Bist Du auch vorsichtig, Muttel?

Nun herzl. Grüße von Eurer Anneliese.

Tante Anna Schrieb sooo süßlich und legte 2 weiße kleine gekaufte Deckchen bei. Und Onkel Willy hat mich höchst herzl. zum Sommer eingeladen.

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