Do 22.12.1932, Brief von Hans Merten an Walter Galka: „Unser beider Zukunftsaussichten sind ja zunächst wirklich nicht rosig zu nennen“

eingestellt von am 22. Dezember 2009 |

Offenbar ist das große „I“ bei Hans Schreibmaschine defekt.

Kiel, Papenkamp 7, den 22.12.32

Lieber Walter Galka!

Zunächst möchte ich Jhnen, Jhrer Frau Mutter und Jhren Geschwistern ein recht fröhliches Weihnachtsfest wünschen. Ob Sie diesmal so ganz von Herzen und restlos fröhlich sein werden, das darf ich ja als „Eingeweihter“ doch ein wenig in Zweifel ziehen; der lange Weg der Gedanken wird ja an solch einem Tage besonders beschwerlich sein! Aber dafür haben Sie ja auch die Gewißheit, daß die Gedanken – und noch dazu auf hoher See und ohne lästige Zeugen – sich kreuzen.

Obwohl Sie über Maria Mardaus und mich wohl schon seit Langem unterrichtet sind, möchte ich doch nicht versäumen, Jhnen auch persönlich mitzuteilen, daß wir es allen bösen Zukunftsgedanken zum Trotz gewagt haben, uns auch in der Öffentlichkeit als verlobte Leute erkennbar zu machen. Wir haben das selbstverständlich in aller Stille getan; das Festefeiern können wir ja getrost auf die kommenden Jahrzehnte verschieben! Und also schicke ich Jhnen auftragsgemäß auch im Namen meiner Braut die herzlichsten Weihnachtsgrüße.

Es würde mich freuen, wenn ich von Jhnen gelegentlich einmal hörte. Unser beider Zukunftsaussichten sind ja zunächst wirklich nicht rosig zu nennen. Gerade darum würde ich gerne von Jhnen gelegentlich einmal hören. Mein Dienst ist gegenwärtig höllisch anstrengend; Dienststunden sind, namentlich auf Reisen, eine ziemlich unbekannte Angelegenheit. Aber hinter den Mühen winkt ja wenigstens eine Arbeitsmöglichkeit, die mir im Laufe der Einarbeitung immer sympathischer geworden ist. Also wird die Zwischenzeit wohl auch noch überstanden werden.

Noch einmal herzliche Grüße

Jhr

Hans Merten

veröffentlicht am 22. Dezember 2009 um 16.00 Uhr
in Kategorie: Hans Merten

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