Geschichte (nicht nur) einer Familie
77jahre

Mi 21.12.1932, Brief von Anneliese an Walters Mutter: “doch scheint die schöne deutsche Sitte auch hier Anklang zu finden”

“Burleigh” am 21. XII. 1932

Meine liebe Frau Galka!

Walter schrieb in seinem letzten Briefe, daß es Ihnen garnicht gut ginge. Es tut mir so herzlich leid, daß Sie die Vorweihnachtszeit nicht mit Freude genießen können und ich hoffe, daß Sie zu Weihnachten wieder ganz gesund sind. Sicherlich wird es dann recht schön bei Ihnen sein und garzu gern würde ich mit Ihnen feiern, aber das geht ja nun leider nicht.

Ich hoffe, daß Ihnen die einliegende Kleinigkeit etwas Freude machen wird. Hier gibt es nicht viel freie Zeit, d. h. Zeit zum Handarbeiten. Wenn irgend möglich fahren wir mit unserem kleinen Jungen an die frische Luft.

Am Freitag fahren wir mit dem Auto nach Southsea zu Enas Eltern. Was vorher noch alles geschafft werden muss ist fast phantastisch. Ich will gleich noch 2 Adventskränze machen. Ich hatte fast erwartet, ausgelacht zu werden, als ich meiner Familie zum 1. Advent einen Kranz schenkte und doch scheint die schöne deutsche Sitte auch hier Anklang zu finden.

Wie lieb von Ihnen, daß Sie Walter und Hedwig für einen Tag entbehren und nach Schwelm schicken wollen, da sind meine Eltern doch nicht gar so einsam. Mir wird es ja wohl auch etwas seltsam zu Mute sein – aber man tut hier alles, um mir darüber hinweg zu helfen. Ich freue mich darauf, wenn ich Sie alle erst wiedersehen werde.

Mit den herzlichsten Weihnachtsgrüßen und den besten Wünschen für ein gesegnetes neues Jahr für Sie, Hedwig und Karl

bin ich Ihre

Anneliese Merten

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