Di 20.12.1932, Brief von Anneliese an ihre Eltern: “Ihr seid doch nicht etwa traurig am Christabend?”
“Burleigh” 20. XII. 1932
Ihr lieben Weihnachtsmänner!
Ja, wo soll ich denn nun anfangen, Euch zu danken? Jeden Tag kommt etwas anderes Schönes an! Seid nur ja vorsichtig, denn vielleicht könnte ich es vorziehen, garnicht mehr zu Weihnachten nach Hause zu kommen! Wer glaubt das? Also nun herzl. Dank für das Paket, das – natürlich einmal wieder “ohne” – am Montag hier landete und die Geldorder – die ich ja soo gern abgeholt eingelöst habe! – kam heute morgen. Spekulatius hat herrlich geschmeckt – Ena und ich haben es gleich Montag abend verspeist! Der Pyjama sieht sehr schön und warm aus. Auch für alles, alles andere und für das, das in Schwelm für mich aufgebaut ist, herzlichsten Dank.
Habt Ihr Zoll auf meine beiden Briefe bezahlen müssen? Ich hoffe nicht!
An Walter habe ich geschrieben aber noch nicht betr. Armband – erst nach Weihnachten! Wir sind so beschäftigt jetzt, daß man nicht weiß, wo anzufangen. Heute morgen habe ich Plätzchen gebacken und heute nachmittag schreibfrei gehabt. Oh, was es alles zu schreiben gibt! Und Freitag geht’s nach Southsea!
Wie es bei Euch wohl Weihnachten aussehen mag? Sicherlich gemütlich und schön – wie immer! Ich werde Christabend ganz tüchtig an Euch denken und vielleicht den Langenberger Sender hören können. Hier beginnt die Festlichkeit ja erst am 1. Festtag. Dann werdet Ihr wohl bei Tölkes sein. Und am 2. kommen Walter und Hedwig, schön nicht wahr?
Ihr seid doch nicht etwa traurig am Christabend? Und ich hoffe, Ihr singt tüchtig! Am ersten Weihnachten nach Eurer Hochzeit ward [sic] Ihr ja auch allein – und da war’s sicher schön!
Nun wünsche ich Euch soviel Freude und Frohsinn fürs Christfest, wie nur möglich ist!
Ena fand die Photographie im Kalender so schön, da wollte ich ihr das Vergnügen nicht nehmen; eine Postkarte wird wohl schöner sein – aber das hat Muttel zu entscheiden.
Herzlichst
Eure Anneliese.
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