Mo 14.11.1932, Postkarte von Anneliese an ihre Eltern: “es klingt so heimatlich”
Poststempel: Chandler’s Ford, 845 pm
14. XI. 1932.
Liebe Eltern!
Seid bitte nicht böse, wenn’s diesmal wieder nur eine Karte wird – es ist halt immer soviel zu tun. Herzl. Dank für den schönen Brief. Mit Lenis Plan bin ich recht einverstanden, es kommt ihr nur zu Gute, wenn sie etwas Ahnung von der Sprache hat. Das mit dem gut verdienen ist natürlich purer Optimismus! Für die XOX guten Appetit – gleicht sich dann gegen die Decken aus, danke liebe Mutti – ätsch!
Um Eure schönen Spaziergänge könnte ich Euch ja fast beneiden, aber dafür gibt’s hier Autotouren und Spaziergänge mit Christopher. Wie teuer ist ein Teddy denn eigentlich? Der Junge interessiert sich auch rasend für Eisenbahnen usw. Spielsachen sind hier sehr teuer!
Auf Deinen neuen Gasherd freue ich mich, darauf werden dann all die neuen Rezepte ausprobiert. Mr. Cox brachte mir neulich ein engl. Kochbuch mit, nett nicht?
Heute bekam ich von Hans einen Brief – ihm hatte meiner sonderbarerweise nicht gefallen! Für die Noten und Zeitungen herzlichsten Dank – ich habe mich besonders über die Noten recht gefreut – es klingt so heimatlich. – Meine Hautbläschen sind nach wie vor da, aber nicht so schlimm; Nasenbluten gibt’s dafür fast jeden Tag! Unsere Hilfe kommt nur noch einmal in der Woche aber den ganzen Vormittag – ist doch schöner mit! – Ob dies mit der Frankreichfahrt was wird, ist noch sehr fraglich! – Für die Mitteilung über mein Honorar herzl. Dank – ich wußte noch nichts. Das grüne Kleid könnt Ihr mir evtl. im Weihnachtspaket schicken. Schuhe von mir nützen hier nichts, die müssen solider sein.
Am Freitag war ich in “Mata Hari”, das war fein! Nun will ich diese Karte fix in den Kasten bringen, bevor es ganz dunkel ist – es ist ca. 7 Minuten [?] – und dann Tee machen. Im nächsten Brief gibt’s Bilder!
Herzlichst Eure Anneliese.
Grüßt alles Bekannten!
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