Mo 19.09.1932, Postkarte von Anneliese an ihre Eltern: “wenn doch nur das Geld nicht wäre”
Poststempel: London E.C., 20. September, 615 pm
Die Postkarte ist adressiert an: “Paul Merten b/ Herrn Rusack, Harsleben b/Halberstadt a/ Harz, Germany”
19. Sept. 1932.
Liebe Eltern!
Schönen Dank für Eure lb. Karte. Ich freue mich herzlich, daß Ihr soviel Schönes seht! Ist das Wetter auch einigermaßen? Vaters Zeit ist ja nun wohl leider bald um; und Mutter bleibt wohl bis zum 1. 10.? Ich habe einmal wieder herrliche Tage hinter mir. Gerti und ich haben die letzten Tage noch allerhand schönes unternommen.
Freitag vor 8 Tg. in Kew Garden (Botanischer Park), Samstag Autotour nach Richmond Park, Sonntag morgen City Temple (Kirche), nachmittags Autotour nach Windsor, abends eingeladen. Mittwoch waren 2 deutsche Mädels bei uns zum Tee, Donnerstag habe ich erst Gerti zur Bahn gebracht, dann Museum und Stadt und abends Ilse Schwarz getroffen und eine Wienerin. Am Freitag bin ich morgens zu Hause geblieben u. habe geschrieben und gelesen, nachm. Spaziergang durch Dulwich zum Kristallpalast, ins Hornimann Museum. Samstag mit Grete Prütt zu Ruth Först (aus Gevelsberg), deren Familie garden-party hatte, Kitsch! Grete P. hat keine Bleibeverlängerung u. fährt Samstag nach Hause. Am Sonntag weite Autotour nach Sussex zus. mit den 2 deutschen Studenten, die seit Samstag hier sind. Heute waren wir zusammen den ganzen Tag i. d. Stadt u. haben viel gesehen, morgen Fortsetzung u. am Mittwoch nachm. 230 per Bus nach Mrs. Cox, “Burleigh”, Hursley Road, Chandlers Ford near Winchester Hants., wo ich gegen 6h sein werde. Die Dame schrieb sehr nett, aber ich gehe soooo ungern von hier fort. – wenn doch nur das Geld nicht wäre. Von B. schreibe ich sofort u. hoffe, bald von Euch zu hören.
Euch u. Rusacks herzl. Grüße Eure Anneliese.
Habe von Hans auch noch nichts gehört. Artikel ist bei Pölkes [?].
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