Mo 18.07.1932, Postkarte von Anneliese an ihre Eltern: “das Paket erwarte ich mit Schmerzen, mein rosa Kleid ist ganz hin”
Poststempel: 19. Juli, 1130am
18. VII. 1932.
Liebe Eltern!
Heute reicht es nur zur Karte, seid bitte nicht böse. Für Euren Brief herzl. Dank; ich freue mich auf den nächsten! Hans läßt nichts von sich hören. – Es ist nun ¼ nach 12h nachts u. ich schreibe im Bett. Ich habe von ½ 8 bis 10h Tennis mit 2 lieben engl. Mädels von 16 u. 21 Jahren gespielt. Dann hat mich die eine nach Hause gebracht u. bis ½ 12h bei einer Tasse Tee bei uns gesessen.
Am Mittwoch u. Freitag habe ich auch schon gespielt; am Samstag sind wir 3 im Kino gewesen. Am Sonntag hatte unser paying guest Hedi aus Ludwigshafen – seit Donnerstg. hier – Besuch v. einem deutschen Mädel, das hier in der Nähe in einem guest-house als staff ist. Abends waren wir dann da zu einem kl. Konzert. Ihr seht also, recht angenehme Abende. Hedi ist garnicht mein Fall, aber wir kommen ganz gut aus; sie kann fast garkein Englisch. “Sie” ist jetzt oft viel netter, hat mir zwar neulich wieder gesagt, daß sie es auch ohne Hilfe (meine) sehr gut schaffen könnte usw.; na, das weiß ich ja nun bald! Ich freue mich, daß ich die beiden Mädels kenne, wir haben uns wirklich gern. Gerti wird wohl im Aug. kommen. Auf Euren Brief komme ich noch zurück, das Paket erwarte ich mit Schmerzen, mein rosa Kleid ist ganz hin. Vergeßt das rote Seidevoile bitte nicht! Mein Englisch hat sich etwas gebessert; seit Hedi so wenig kann, habe ich mehr Mut zu sprechen!! An Onkel Heiner u. Hilde will ich schreiben, Mucki erledigt. Die Betty ist reizend und will mir mal ihre Backrezepte geben. Die Krankenkasse hat mir einen Wisch geschickt, den ich unterschreiben lassen muss. Ist das nun nötig, daß ich drin bin? Bald hört Ihr mehr.
Herzlichst Eure Anneliese.
Schrift kommt vom Tennis und Blase am Mittelfinger. Habe Briefkarten hier entdeckt! Schuhsohlen sind teuer!
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[...] für Euren lb. Brief – ich schreibe in aller Eile. Nun ist es schon der 19. und heute ist die Karte fortgegangen. Also, die Tage “ohne” waren sehr schön; aber – sie kam wieder und fand [...]
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