Mo 04.04.1932, Brief von Anneliese an Walter: “ich muß damit zufrieden sein und darf mich nicht ängstigen”
Poststempel: 17-18 Uhr
Schwelm, den 4. April 1932.
Mein lieber Junge!
Deinen lb. Brief sowie die Postkarte habe ich Sonntag morgen bekommen und danke Dir herzl. dafür. Inzwischen hast Du ja wohl auch meinen Gruß vom Freitag (die weiblichen Referendare muß ich auf Kosten des 1. April bedauernd zurücknehmen) erhalten und bist hoffentlich über mein Befinden außer Sorge. Augenblicklich habe ich zwar einen recht tüchtigen Schnupfen, der mir das Leben für einige Tage weniger schön erscheinen lässt, doch dürfte das Übel wohl bald behoben sein.
Schon einige Tage vor Ostern hatte ich auf Nachricht von Dir gewartet, daß Du gut angekommen wärest; natürlich hätte ich Dir dann gern zu Ostern einen Brief geschrieben. So sah ich das aber nicht ein, und warum sollte ich Deiner lb. Mutter, die doch immer so lieb für mich sorgt, nicht auch einmal einen Ostergruß senden?!
Ich bin nun aber wirklich erstaunt, daß Du Dich um mich gesorgt hast und das tut mir herzlich leid. Doch hatte ich noch nicht einmal eine Woche nach dem Empfang Deines Briefes verstreichen lassen, sondern Dir schon am Freitag abend geantwortet. Die Zeit ist doch für mich genau so lange, wenn Du mich 1 Woche und länger auf Post warten lässt, und ich muß damit zufrieden sein und darf mich nicht ängstigen (und wenn ich es doch tue, dann fragt mein lieber Junge nicht danach). Da habe ich nun eben geglaubt, Du empfändest nicht, wie unruhig solche Wartezeit werden kann, denn sonst würdest Du mich doch nicht in die gleiche Lage bringen wollen. Zum Briefe-Schreiben ist – außer im Examenstrubel – jeden Tag etwas Zeit übrig. Ich beklage mich auch an keinem Tage über Langeweile, ganz im Gegenteil. – Ich will Dir aber gern schneller antworten, wenn Du das lieber hast – ich brauche mir da garkeine Gewalt anzutun, denn ich freue mich immer wenn ich mit Dir – und sei es auch nur im Brief – plaudern kann; aber denk’ auch bitte daran, daß ich mich nicht weniger sorge und nicht weniger den Briefkasten inspiziere als Du.
Und nun, mein lieber Junge, will ich aufhören, denn gleich kommen meine “Engländer” zu mir. Morgen will ich zu Schulz und vielleicht noch meine Freundin in Elberfeld besuchen, je nach der Laune des Wettergottes und meiner Erkältung.
Deinen lb. Angehörigen herzl. Grüße; Deiner Mutter wünsche ich noch nachträglich alles Gute.
Dir selbst viele herzl. Grüße u. Küsse
Deine Anneliese.
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