Geschichte (nicht nur) einer Familie
77jahre

Do 17.03.1932, Brief von Anneliese an Walter: “Ich habe auch schon einen Goethe-Abend hinter mir, bin also in dieser Hinsicht nicht mehr so dringend bildungsbedürftig”

Poststempel: 15-16 Uhr

Schwelm, den 17. III. 32.

Mein lieber Junge!

Eigentlich solltest Du ja genau so lange auf Post warten, wie ich es getan habe, aber da geht nun leider nicht! Trotzdem danke ich Dir recht schön für Deinen Brief.

Es hat mir recht leid getan, daß Emil Möller nicht durchs Examen gekommen ist und Mucki hat diese Nachricht gestern den ganzen Nachmittag verdorben. Wir waren nämlich gestern unter Führung einiger Referendare vom Turnclub aus in der Kluterthöhle bei Milspe. Davon erzähle ich Dir am Samstag. Ich freue mich sehr, daß Du kommen willst. Ursprünglich wollte ich in die Loge zur Goethefeier, doch nun werde ich die Eltern allein hingehen lassen und wir beiden müssen uns eben schon in Barmen oder Elberfeld die Zeit vertreiben, was ja nicht so schwer ist. Ich habe auch schon einen Goethe-Abend hinter mir, bin also in dieser Hinsicht nicht mehr so dringend bildungsbedürftig.

Wie es nun mit dem Schlafen wird, will ich Dir überlassen. Ibings würden sich freuen, wenn Du kämst. Muckis habe ich noch nichts gesagt, möchte das auch nicht gern tun. Sie erzählte nach Deinem letzten Hiersein die Geschichte, wie sie Dich wiederholt geweckt habe usw. in so herrlich breiter Form vor der Turngesellschaft und bei Luckens, daß ich - und noch andere - abwechselnd weiß und rot wurden; aber das machte ihr nichts. Ich überlasse Dir also die Entscheidung.

Dir und Deinen Lieben die herzl. Grüße und bis auf ein frohes Wiedersehen am Samstag bin ich

Deine Anneliese.

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