Do 25.02.1932, Brief von Anneliese an Walter: “Nun will ich aber auch fix aufhören, sonst bekomme ich keinen Kuchen mehr ab”
Poststempel: Düsseldorf, 25.02., 20-21 Uhr
Düsseldorf, den 25. II. 32.
Mein lieber Junge!
Nun sitzt Du wohl in Münster und grübelst und schreibst für Deine Probelektionen. Bedauern darf ich Dich ja nicht, sonst täte ich es jetzt sicher; so denken wir hier nur recht viel an Dich und halten das Däumchen.
Für Deinen lb. Brief danke ich Dir herzlichst. Ich hatte mir schon gedacht, daß Dein Kommen am Samstag unmöglich sein würde, wollte aber doch erst anfragen. Ich bin nun seit Dienstag mittag hier in Düsseldorf bei Lenis Verwandten und werde nach Strich und Faden verwöhnt. Bis Samstag nachmittag will ich hier noch aushalten - was allerdings nicht schwer fällt -, dann muß ich nach Hause, um auf die Nachricht von meinem lb. Jungen zu warten. Es ist ja eigentlich merkwürdig, daß ich gerade in der Zeit so schöne Stunden verlebe, in der Du so angespannt arbeiten mußt. Leni wird wohl noch etwas länger hier in der Kronprinzenstraße bleiben. Und am Mittwoch sollen wir uns also wiedersehen, schön nicht wahr! Ich habe mich bisher noch um garkeinen Fahrplan kümmern können, doch kann ich das in Schwelm ja noch nachholen, und Du schreibst mir ja wohl auch vorher noch einmal. Ich freue mich ja so, wenn Du den ganzen Kram erst einmal glücklich hinter Dir hast, denn Du hast jetzt wirklich einmal Ruhe verdient!
Jetzt werden wir geholt, denn gleich ist hier Kaffeevisite. Und heute abend wollen wir ins Theater “Die Blume von Hawaii“, Du gingst sicher auch gern mit. Nun will ich aber auch fix aufhören, sonst bekomme ich keinen Kuchen mehr ab. Mutter hatte mir schon gesagt, ich solle Dich doch in diesen Tagen mit Post in Ruhe lassen, doch ich denke, Du findest den Brief erst Samstag vor.
In Eile recht herzl. Gruß für Dich und Deine Lieben
Deine Anneliese.
Deine lb. Mutter soll sich aber für Mittwoch garkeine Umstände machen!
In anderer Handschrift:
Lieber Herr Galka, nun sitzen Sie wohl tüchtig in der Arbeit und Annelies und ich können uns hier erholen, was wir gründlich besorgen, dabei halten wir auch sämtl. Daumen. Nochmal alles Gute für Sonnabend und viel herzl. Grüsse
Ihre Leni Bamberger
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