Fr 19.02.1932, Brief von Anneliese an Walter, mit Postkarte von Leni: “in einem Nachmittage waren sie sich dann einig und Samstag ist nun Verlobungsfeier”
Poststempel: 19.02., 23-24 Uhr
Schwelm, den 19. II. 32.
Mein lieber Junge!
Nun will ich Dir fix einen herzlichen Sonntagsgruß schreiben, den letzten vor der bedeutungsvollen Woche. Ich wollte, Du könntest so frisch und ausgeruht ins Examen steigen, wie ich es jetzt nach meinem 4tägigen Winterberger Aufenthalt in Schnee und Sonne bin. Jeder freut sich über mein gutes Aussehen, ich bin richtig etwas verbrannt. Die beiden letzten Tage waren auch noch wunderschön; ich habe noch viel gelernt, am letzten Tag unter der liebenswürdigen Anleitung eines unbekannten Herren sogar noch die Anfänge zum Stemmbogen. Zuerst hatte ich die Absicht, Sonntag zum Ski-Kurs für Fortgeschrittene wieder hinzufahren, doch das habe ich mir nun überlegt und hoffe immer noch, daß es auch hier noch einmal genügend schneien möge! - Auch Du wirst wohl über Lenis Karte [s. u.] erstaunt sein. Ich war ganz vor den Kopf geschlagen, die arme kranke Leni, die ich noch am Tage meiner Abreise besucht hatte, nach nur wenigen Tagen als gesunde, strahlende Braut anzutreffen. Heute lernte ich nun ihren Verlobten kennen, der in der kurzen Zeit, die ich ihn sah, einen recht guten Eindruck auf mich machte. Er ist knapp 26 Jahre u. prakt. Arzt am Krankenhaus des Norddeutschen Lloyd in Bremen. Er ist ein Jugendfreund von Leni und hat auf der Durchreise von ihrer Krankheit gehört; in einem Nachmittage waren sie sich dann einig und Samstag ist nun Verlobungsfeier. Frau Bamberger hat mich heute herzlichst gebeten, Dir tüchtig zuzureden, damit Du auch nur ja kämest. Ich habe ihr nun gesagt, daß der Tag eben Dein Prüfungstag sei und ich Dir die Entscheidung ganz überlassen wollte. Ich weiß ja nicht, wann die Prüfung zu Ende ist und ob Du nachher überhaupt noch fähig und lustig bist, zu feiern. Daß ich mich natürlich sehr freuen würde, wenn Du dabei sein könntest, weißt Du ja selbst, doch möchte ich auf keinen Fall, daß Du Dich meinetwillen einen Abend lang übermüdet herumquälst. Leni bat mich noch Dir zu sagen, daß es garnichts ausmache, wenn Du erst später am Abend kommen könntest. Sie möchte nun nur wissen, ob Du überhaupt Lust hättest, nach bestandenem Examen mitzufeiern; andernfalls muss sie dann Bescheid wissen, damit sie für einen passenden Tischherrn für mich sorgen kann. Du bist wohl so lieb und gibts [sic] mir hierüber trotz all der vielen Arbeit so bald wie möglich Bescheid. Auch möchte ich Dich herzl. bitten, mir nach beendeter Tortur in einem kurzen Telegramm Bescheid zu geben, willst Du wohl?
Deinen Brief fand ich vor, als ich Donnerstag morgen um 059 h zu Hause ankam. Ich danke Dir recht herzlich dafür, ich habe mich sehr gefreut, einmal wieder von Dir zu hören. Ich denke doch recht viel an Dich und in den Examenstagen werde ich wohl mit meinen Gedanken ganz und gar in Münster sein. Dass Du hinterher Langeweile hast, ist ja bei der Erkrankung des Oberstudienrats und der vielen Arbeit, die auch da wieder auf Dich wartet, kaum zu befürchten. Hoffentlich wird’s Dir nun nicht zuviel!
Also, mein lieber Junge, was ich Dir Gutes wünschen und erbitten kann, das soll geschehen. Schade, daß ich Dir garnicht ein wenig helfen kann, ich hät’s so gern! Und nun wünsche ich Dir guten Mut und einen frischen, klaren Kopf und viel, viel Glück. Recht herzl. Gruß auch von meinen Eltern für Dich und Deine Lieben.
Dir selbst herzl. Grüße und Küsse
Deine Anneliese.
Auf einer Postkarte anbei:
Lieber Herr Galka!
Nun sind Sie garso mächtig erstaunt, über Alles was Annelies Ihnen berichtet. Ich möchte Sie mit Bräutigam herzlich bitten, an unserer Verlobungsfeier teilzunehmen. Annelies erzählt mir eben, daß Sie im Examen stehen werden, auch ich werde beide Daumen halten. Nur läßt es sich bestimmt machen, daß wir zusammen das bestandene Examen feiern. Also wenn das Examen hinter Ihnen ist, hoffe ich bestimmt, daß Sie Sonnabend, den 27ten II. wenn auch abends, nach hier kommen, um sich und uns zu freuen.
Also, lieber Herr Galka, bestimmt auf Wiedersehn am 27. II. und alles Beste für Ihr Examen
Ihre Leni Bbgr [d. h. "Bamberger"].
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