Do 26.11.1931, Briefkarte von Anneliese an Walter: “Da merkt man selbst erst einmal, wie gut man es hat”
Poststempel: 14-15 Uhr
Schwelm, den 26.11.31.
Mein lieber Junge!
Eigentlich habe ich ja ganz große Eile, denn in 1/2 Std. muß ich nach Elberfeld fahren, wo wir bei meiner Tante zum Besuch anzutreten haben. Doch ich habe gedacht, Du würdest Dich vielleicht über einen kurzen Gruß freuen und vielleicht auch darauf warten. Und dann wollte ich Dir für Deinen lb. Brief und das schöne Gedicht recht herzl. danken. Heute regnet es hier tüchtig, hoffentlich wird es bis Sonntag schöneres Wetter. Es ist doch schön zu denken, daß wir uns in 3 Tagen wiedersehen werden, das findest Du doch auch?
Gestern war ich mit meiner Freundin Ruth und Leni in Haus Hedt zum Kaffeetrinken, es war recht gemütlich. Ich gebe mir die größte Mühe Leni ein wenig zu zerstreuen und in der Zeit, wo ich mit ihr zusammen bin, ist sie auch fröhlich, aber sonst kreisen ihre Gedanken selbstquälerisch immer um den einen Punkt; da hilft nur die Zeit. Da merkt man selbst erst einmal, wie gut man es hat, und solch einen Schlag – wie kürzlich – muß man wohl mal draufkriegen, sonst wird man übermütig.
Nun klappt hoffentlich die Arbeit recht gut, damit Du auch zufrieden und fröhlich bist.
Den Deinen u. Dir selbst recht herzl. Grüße
Deine Anneliese.
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