Mo 07.09.1931, Brief von Anneliese an Walter: “Deine Freunde sind doch schließlich auch keine Kostverächter!”
Poststempel “Bahnpost Aachen Dortmund”, 07.09.
Schwelm, den 7. 9. 1931.
Mein lieber Junge!
Recht herzl. danke ich Dir für Deinen lb. Brief und will Dir schnell – in 1/2 Stunde muß der Brief fort sein – mitteilen, daß wir am Mittwoch gegen 1/2 4 h in Blankenstein im Irrgarten sein werden. Ich freue mich unendlich, daß wir uns sobald wiedersehen werden. Seit gestern heute ist Maria Mardaus bei uns zu Besuch, ich werde sie mitbringen. Lenis Freund – der übrigens schon älteren Datums ist – kann leider nicht abkommen und da wollte ich mal fragen, ob Du nicht Deinen beiden Freunden vorschlagen möchtest, mitzukommen. Ich glaube, es wäre für uns alle netter; und Deine Freunde sind doch schließlich auch keine Kostverächter!
Hier quasseln jetzt alle durcheinander, darum bin ich nicht so ganz bei der Sache. Wie klappt denn die Arbeit? Ich wünsche Dir von Herzen, daß Du noch während der Ferien ein tüchtiges Stück weiterkommst. Und die Einsamkeit fällt so schwer? Nun gar solange wird es ja wohl nicht mehr dauern. Hoffentlich nimmt mir Deine lb. Mutter es nicht übel, daß ich nicht sofort Nachricht gegeben habe, nächstes Mal werde ich es anders machen, nicht wahr?
Heute haben wir Marias Einzug bei Frl. Sturm in einem netten kleinen Kaffee gefeiert und morgen wollen wir ihr mal unsere schöne Umgebung zeigen, schade daß Du nicht auch mitkommen kannst. Und Mittwoch morgen werden wir erst noch ein paar Stunden Tennis spielen, dann sind wir nachmittags gleich in der richtigen Stimmung. Wir freuen uns alle sehr auf die schöne Fahrt, hoffentlich ist das Wetter günstig! Gegen 10 h muß Leni dann allerdings wieder in Schwelm sein, aber das ist ja auch schon eine ziemlich lange Zeit.
Nun will ich Schluß machen, denn sonst fährt das Auto zur Bahn.
Deiner lb. Mutter, Deinen Geschwistern und Dir selbst die herzlichsten Grüßen – auch von den Eltern und Maria – von Deiner Anneliese.
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