Fr 28.08.1931, Brief von Anneliese an Walter: „Da war ein Kuchen, der nicht so wollte wie ich“

eingestellt von am 28. August 2008 |

Poststempel: 13-14 Uhr

Schwelm, den 28. August 1931.

Mein lieber Junge!

Wie lieb von Dir, mich heute morgen schon wieder durch einen Brief zu erfreuen und noch dazu durch solch einen. Ich danke Dir und vor allem Deiner lb. Mutter recht herzl. für die liebe Einladung, der ich natürlich gern Folge leisten werde. Ich freue mich sehr, daß ich Deine lb. Angehörigen – vor allem Deine lb. Mutter – nun auch persönlich kennenlernen darf. Und dann freue ich mich auch darauf, meinen lb. Jungen einmal wiederzusehen. Du siehst also, Freude auf der ganzen Linie, dazu ist heute Vaters Geburtstag, sodaß der Tag schon ohne Weiteres ein festliches Gepräge hat. Und der lachende Sonnenschein, passt so recht zu meiner Stimmung. Wie schön, daß sich Dein Wunsch nach etwas Sonne nun so herzlich schnell erfüllt hat, nun geht die Arbeit hoffentlich noch einmal so gut. Ich habe die letzten Tage, nachdem ich Deinen Brief erhielt so sehr viel an Dich denken müssen und freue mich nun sehr, daß Du mit dem Vorwärtskommen zufrieden bist. Vielleicht war die bisher geleistete Arbeit doch noch zu gebrauchen; nun davon wirst Du mir ja erzählen.

28.08.1931: Brief von Anneliese an Walter
Zur Illustration: Anfang des Briefes und Umschlag mit Poststempel (Klick zur Großansicht). Anneliese schreibt entgegen der damaligen Gewohnheit nicht in der deutschen Kurrentschrift, sondern bereits in der lateinischen Schreibschrift.

So, nun kann ich endlich weiterschreiben, wenn auch nur ganz kurz. Da war ein Kuchen, der nicht so wollte wie ich, und da mußte ich dabeibleiben. Nun ist’s gleich Mittag, da gibt’s noch allerhand vorzubereiten und fertig zu kochen und heute mittag gehts nach Barmen. Drum schnell Schluß, wir können ja Sonntag genug plaudern. Ich werde also all Deine weisen Ratschläge befolgen und hoffe, daß ich intelligent genug sein werde, Dich zu finden! Für die Angabe des Zuges vielen Dank, ist das nicht etwas zu früh für Deine lb. Angehörigen, ich möchte doch nicht gern den wohlverdienten Sonntagsschlaf stören. Nun, ich werde diesmal um 9 dort sein.

Heute habe ich ein Paketchen Birnen für Euch eingepackt; hoffentlich schmecken sie gut!

Also nochmals recht herzl. Dank für die freundl. Einladung und viele Grüße für Deine lb. Angehörigen und besonders für Dich

von Deiner Anneliese.

Die Eltern lassen auch herzl. grüßen.

veröffentlicht am 28. August 2008 um 13.00 Uhr
in Kategorie: Anneliese Merten

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