Di 25.08.1931, Brief von Walter an Anneliese: “Ich gehe jetzt etwas mit Gewalt an die Arbeit und zwar systematisch”
Bochum, den 25. Aug. 31.
Meine liebe kleine Anneliese!
Bei der Sichtung des für meine Arbeit gesammelten Materials mußte ich gestern eine ziemliche Enttäuschung erleben. Die Problemstellung, von der ich ausgegangen war, scheint den Forderungen, die an eine spezifisch pädagogische Arbeit gestellt werden, nicht hinreichend zu entsprechen. Die gestellten Diagnosen der Körpertypen lassen sich nur mit einer gewissen Exaktheit für Personen, deren Entwicklung entweder abgeschlossen oder sich mit Bestimmtheit voraussagen läßt, auswerten. Bei dem zu behandelnden Schülermaterial treffen diese Voraussetzungen nur so bedingt zu, daß der pädagogische Wert einer solchen Arbeit in Frage gestellt ist.
Die Ausführungen würden zu sehr den Charakter einer wissenschaftlichen Arbeit tragen und als solche auch interessant und wertvoll sein, zumal auf diesem Gebiet noch keine Ergebnisse vorliegen. Aber das kann mir nun gegenwärtig nichts nützen. Heute beginne ich nun, mein eigentliches Thema zu formulieren und etwas niederzuschreiben. Daß ich dies Pech gehabt habe und deshalb etwas durcheinander bin, darf ich Dir ja ruhig mitteilen, denn Du mußt schließlich alles wissen dürfen, was mich betrifft. Sonst rede ich nicht gern von so etwas, weil es keinen Zweck hat. Man findet doch keinen Menschen, der einem einen positiven Rat geben kann, geschweige einem zu helfen. [sic] Die Arbeitsgemeinschaft mit Schmidt hat zu keinem Ergebnis geführt. Die Besprechungen mit ihm haben mich in keiner Weise weitergebracht. Sobald es an die eigentliche Arbeit grenzt, steht man allein. Franz Schrage bildet in dieser Beziehung eine löbliche Ausnahme. Ich gehe jetzt etwas mit Gewalt an die Arbeit und zwar systematisch, dann werde ich in einer Woche die Arbeit im Rohbau fertig haben. Wenn ich mal ausspannen will, denke ich schnell mal an mein liebes Kind in Schwelm und an den schönen Donnerstag, dann geht es wieder lustig fort. Das Wetter hier ist miserabel, naßkalt; bei Sonnenschein würde mir viel wohler sein.
Bleib hübsch gesund und munter und schreib mir recht bald mal etwas recht Nettes.
Über das schöne Paket hat sich meine Mutter sehr gefreut und läßt vielmals danken und grüßen. Grüß bitte Deine lb. Eltern von mir und sei selbst vielmals gegrüßt und geküßt von
Deinem Walter.
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“Bei dem zu behandelnden Schülermaterial treffen diese Voraussetzungen nur so bedingt zu, daß der pädagogische Wert einer solchen Arbeit in Frage gestellt ist.”
Na, das ist doch mal eine zärtliche Beschreibung der Pennälerschar.
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