Geschichte (nicht nur) einer Familie
77jahre

Mi 22.07.1931, Brief von Anneliese an Walter: “Das wird wohl ganz nett werden”

Poststempel: Schwelm, 23.7.31, 7-8 Uhr

Schwelm, den 22.7.31.

Mein lieber Walter!

Gerade bin ich von einem wunderschönen Abendhimmel nach Hause gekommen und will Dir schnell erst einmal für Deinen lb. Brief danken, den ich schon sehnsüchtig erwartet hatte. Du Ärmster sitzt jetzt sicher noch fleißig arbeitend an Deinem Referat; nun, ich werde morgen tüchtig den Daumen drücken und wenn alle meine guten Wünsche mithelfen, wird es mindestens eine 1+ werden! Bald sind ja auch Ferien und dann hast Du endlich mal etwas Freiheit, wenn es Dir ja auch bei der Arbeit an reichlicher Beschäftigung kaum fehlen dürfte.

Und Sonntag bist Du natürlich herzlichst willkommen. Ich werde pünklich und froh wie immer – wenn Du kommst – am bekannten Zuge am Bahnhof sein. Beinahe wäre noch eine kleine Kielerin gekommen, doch die besucht uns nun zum Glück am Freitag. Davon erzähle ich Dir dann am Sonntag. Es ist in der Zwischenzeit bei uns hier ziemlich lebhaft zugegangen, was auch mit dieser jg. Dame zusammenhängt. – Wir werden uns dann schon einigen, was wir am Nachmittag in Elberfeld unternehmen wollen. Sorg nur für gutes Wetter!

Heute morgen haben wir bei wunderschönem Wetter herrlich Tennis gespielt nach einer Pause von 1 Woche. Vorigen Mittwoch waren Mutter und ich den ganzen Tag in Düsseldorf; solche eine Großstadt ist doch etwas Köstliches! Sonst habe ich in der Zwischenzeit aber auch fleißig genäht, ganz so faul wie ich aussehe, bin ich doch nicht. Und es macht auch recht viel Freude, wenn solch ein Kleid dann nett sitzt.

Frau Mucki und auch Frau Murini [?] erkundigen sich immer häufiger nach Dir; sie scheinen ungeheure Angst zu haben, ob bei uns auch alles stimmt, wo wir beiden doch so ruhig waren. Mich sollte garnicht wundern, wenn Mucki Dir bald trotz der vielen Arbeit mal schreiben müsste, denn aus mir kriegen sie doch nichts heraus.

Samstag nach dem Tennis haben wir Tennissommerfest im Garten von einem Mitspielerpaar. Der eine muss Wein, andere Obst zur Bowle, Kuchen, belegte Brötchen usw. stiften. Das wird wohl ganz nett werden. Ich will aber schon früh nach Hause gehen, damit ich am nächsten Morgen auch frisch bin.

Nun will ich Schluß machen, es ist schon recht spät und ich muß morgen schon um 1/4 nach 6 h aufstehen.

Sei recht herzl. gegrüßt – die Eltern lassen natürlich auch grüßen – und freu Dich genau so auf Sonntag wie

Deine Anneliese.

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