77jahre – Geschichte (nicht nur) einer Familie

eingestellt von am 1. Juli 2008 |

77jahre hat zwei Vorbilder. Das erste Vorbild ist die Seite WW1: Experiences of an English Soldier, auf der die Feldpostbriefe, die der im 1. Weltkrieg in Italien kämpfende englische Soldat Henry Lamin geschrieben und empfangen hat, immer genau 90 Jahre nach ihrer Entstehung von einem Enkel veröffentlicht werden. (Mehr dazu erfährt man in diesem Spiegel Online-Artikel.)

Das zweite Vorbild ist das Echolot-Projekt des Schriftstellers Walter Kempowski. Kempowski hat seit Jahrzehnten alle möglichen Privatdokumente, vor allem aus der Zeit des 2. Weltkrieges, gesammelt und eine Auswahl in vier Teilen (1941, 1943, Winter 1945, Frühjahr 1945) chronologisch sortiert veröffentlicht, so dass man sehen kann, was verschiedene Menschen an einem Tag im Krieg erlebt und aufgeschrieben haben. Häufiger habe ich mich beim Lesen des Echolots gefragt, was wohl meine Großeltern gerade an diesem Tag gemacht haben. (Zum Echolot hier eine Besprechung des 4. Teils in der FAZ.)

Beim Lesen im Echolot und in den Feldpostbriefen von Henry Lamin erinnerte ich mich mitunter daran, dass es in meiner Familie auch noch viele alte Briefe und andere Dokumente gibt, zwar nicht aus der Zeit des 1. Weltkrieges, aber seit ungefähr 1930 doch ziemlich durchgängig bis heute. Diese Briefe, Notizen, Poesiealben, Kalender, Tagebücher usw. lagerten bis jetzt immer mehr oder weniger unsortiert in Kartons.

Ich werde von jetzt an diese Dokumente, die meine Großeltern hinterlassen haben, mit 77 Jahren Zeitabstand auf dieser Seite veröffentlichen.

Vor 77 Jahren war das Jahr 1931 – und ich weiß aus Erzählungen meines Vaters und meiner Oma, dass die zwanzig Jahre von 1931 bis 1950, vor allem natürlich die Jahre der Nazi-Diktatur, auch in unserer Familie eine sehr turbulente und häufig wohl auch schwierige Zeit waren. Ich selbst bin sehr gespannt zu sehen, wie meine Großeltern sich damals verhalten haben, womit sie sich die Zeit vertrieben haben, was sie gedacht haben, was sie mochten und was sie nicht mochten, natürlich auch: wie ihr Verhältnis zur Diktatur war.

Meine Hoffnung ist, etwas besser zu verstehen, was damals in Deutschland passiert ist. Deswegen: Geschichte nicht nur einer Familie.

Natürlich gibt es auch manchmal große zeitliche Lücken zwischen den Dokumenten. Vieles ist im Krieg und den Jahrzehnten danach verloren gegangen. Es gibt allerdings auch einige Dokumente aus der Zeit vor 1931. Diese werde ich immer dann, wenn ansonsten eine große zeitliche Lücke zwischen zwei Einträgen entstehen würde, mit entsprechend rückdatiertem Erscheinungsdatum veröffentlichen.

Über meine Großeltern (die Eltern meines Vaters), um die es hier in nächster Zeit hauptsächlich geht, kann man mehr erfahren, indem man links auf die Bilder klickt.

Und jetzt viel Spaß bei der Lektüre! Über Kommentare, Anregungen etc. freue ich mich sehr, am besten über die Kommentarfunktion bei jedem Eintrag, alternativ per E-Mail an 77jahre@gmx.de.

Der erste Eintrag hier folgt am 3. Juli. Damit es bis dahin schon etwas zu lesen gibt, habe ich zwei Briefe aus dem Juni 1931 eingestellt.

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veröffentlicht am 1. Juli 2008 um 16.54 Uhr
in Kategorie: SG

Ein Kommentar »

  1. […] Hier erklärt Sebastian die Hintergründe. Unbedingt anschauen! […]

    Pingback by Walter und Anneliese — 10. August 2008 @ 16:42

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